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Digitalfotografie

Geschichte der Digitalfotografie

Tatsächlich wurde die erste Digitalkamera in der Mitte der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts von einem der Weltmarktführer im Bereich der analogen Fotografie vorgestellt, nämlich von der Firma Kodak. Mit den heute auf dem Markt befindlichen Modellen hat diese Digitalkamera naturgemäß wenig zu tun, wog sie doch über vier Kilo und produzierte Fotos mit einer Auflösung von 0,1 Megapixel, und das Ganze bei einer Fotoausgabe in schwarz-weiß. Auch die Darstellung auf Papier war wenig überzeugend, vor allem da sie über die auszudruckende Größe einer Briefmarke nicht hinaus ging.

Einen Einsatz in der Praxis machten neben Gewicht und Auflösung auch die etwas über zwanzig Sekunden unmöglich, die das Gerät sage und schreibe brauchte, um seine Bilddaten intern zu speichern. Das Speichermedium wiederum war eine Datasette, die man sich wie eine Audiokassette vorstellen kann, auf der statt Audiodaten nun Bilddaten gespeichert wurden. Außer den kühnsten Visionären hätte sich angesichts dieses nach in Heimarbeit zusammengebastelt aussehenden Apparates sicher niemand träumen lassen, dass die Digitalfotografie eines Tages die analoge in vielen Bereichen fast vollständig ersetzen würde. Zu professionell waren die analogen Kameras zu dieser Zeit, und zu zufriedenstellend die Bildergebnisse. Es war jedoch genau so ein zukunftsgläubiger Entwickler, der die weitere Investition in die Digitalfotografie nichts desto trotz weiter vorantrieb: Steve Sasson, der bei Kodak für den Prototyp zuständige Ingenieur, beharrte auf der zukünftigen Nützlichkeit seiner Erfindung.

 

Schon 1975 prognostizierte er: "Dies könnte die Art, wie Menschen fotografieren, in Zukunft entscheidend verändern." Und auch wenn die Entwicklung der Digitalkamera noch zwanzig Jahre bis zur endgültigen Durchsetzung auf dem Markt vor sich hatte, sollte Sasson doch recht behalten. Anfang der Achtziger - inzwischen experimentierten auch andere Hersteller mit dem digitalen Fotoformat - stellte der Technikgigant Sony auf der wegweisenden, internationalen Fotomesse Photokina in Köln ein revolutionäres System vor. Es nannte sich "MAVICA" und sollte in die Fotografiegeschichte eingehen. Eine Abkürzung für "Magnetic Video Camera", war die MAVICA die Mutter aller gegenwärtigen Digitalkameras. Das mag unglaubwürdig klingen, konnte die MAVICA-Kamera doch gerade einmal fünfzig Bilder bei einer Auflösung von maximal 570x490 Pixeln speichern, und zwar - das macht es auf den ersten Blick so seltsam - als analoges Videosignal auf einer extra hierfür entwickelten Diskette. Diese wiederum konnte nur über ebenfalls spezielles Abspielgerät vorgeführt werden, und zwar durch Anschluss an einen handelsüblichen Fernseher. Digital wurden diese Bilder erst, wenn man sie durch einen Analog-Digitalwandler digitalisierte. In der Praxis tat dies kaum jemand - denn man muss sich vor Augen führen, dass auch die PCs gerade erst auf den Markt gekommen waren und zumindest für private Haushalte nicht leistungsstark genug, um mit digitalisiertem Bildmaterial überhaupt etwas anfangen zu können.

Das die MAVICA dennoch so revolutionär war, lag daran, dass hiermit erstmals mit einem auf dem Markt erhältlichen Produkt Bilder ohne einen Film geschossen werden konnten. Für den Journalismus war dies ein enormer Schritt nach vorne, konnte man Bilder doch jetzt per Videotechnik direkt in die Redaktionen übertragen - zuvor hatten die analogen Bilder gescannt und per Trommelscanner in ein von Telefonleitungen übertragbares Format gebracht werden müssen.
Dennoch: für den privaten Gebrauch war die MAVICA nicht sinnvoll. Zwar kam sie als Canon RC-701 1986 auf den Markt, fand jedoch wenig Abnehmer: einschließlich der dazugehörigen Abspielgeräte war sie viel zu teuer und brachte nicht genug Mehrwert mit sich, um den analogen Geräten wirklich die Schau zu stehlen. So musste der Markt das Jahr 1991 abwarten, um die erste echte Digitalkamera im heutigen Sinn zu erleben. Wiederum war es Kodak, der mit der DCS-100 das zukunftsfähige Modell auf der Basis von Spiegelreflextechnologie vorstellte. Hinter dem Objektiv der Kamera war ein CCD-Sensor einmontiert, der mit immerhin schon 1,3 Megapixeln Bilder aufzeichnete, welche anschließend auf einer externen Festplatte mit etwa zweihundert Megabyte Speicherplatz gespeichert wurden. Die hierfür benötigte Elektronik und der integrierte Monitor waren allerdings aufgrund ihres Umfanges in einer immer noch fünf Kilo schweren Tasche untergebracht. Das System war aber insgesamt noch zu teuer für den Privatkunden. Dieser wurde dann noch im selben Jahr mit einer erschwinglicheren Digitalkamera versorgt: der "Fotoman" von Logitech. Allerdings waren ihre Aufnahmen immer noch nur schwarz-weiß machbar, mit einer sehr bescheidenen Auflösung von 376x240 Pixel und einer festen Brennweite. Erst 1993 kam mit "Fotoman plus" eine Farbbildvariante auf den Markt. Dann aber war kein Halten mehr: Speicherkarten und USB-Anschlüsse wurden entwickelt und integriert, und nachdem auch die 2,0 Megapixel Grenze überschritten war, überboten sich die Anbieter mit immer kleineren und besseren Modellen. Und seit digitale Kameras in fast alle Computersysteme bereits ab Werk eingebaut werden, sind die Tage der analogen Technik tatsächlich gezählt.

 

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